Ein magischer Montag…(10.04.16)

Von Pferden, Glück und Geschichte…

Montage sind ja eigentlich immer doof. Nun, dieser ist einer an den ich mich immer gerne zurückerinnern werde. Der Morgen könnte nicht schöner beginnen. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel auf Vik hinab und ich freue mich wahnsinnig auf meinen bevorstehenden Ausritt. Obwohl mir im August ja noch eine ganze Woche Ferien zu Pferd bevorstehen, konnte ich einfach nicht so lange auf meinen ersten Ritt auf einem echten Isländer warten (zum Glück überhaupt nicht zweideutig).

Als ich auf dem Hof ankomme, der nicht aus viel mehr als einem Stall, einem kleinen Reitplatz und einer Koppel mit grasenden Schafen besteht, scheine ich die Einzige zu sein. Im Stall finde ich M. (leider weiß ich nicht mehr so ganz genau ihren Namen, aber M. ist jedenfalls nicht falsch ;)). Sie erklärt mir, dass tatsächlich nur ich für eine Tour angemeldet bin. Schon kurze Zeit später, merke ich, dass dies das Beste ist, das mir hätte passieren können. Gemeinsam satteln wir die Pferde, Thor und Atlas. Atlas ist für heute mein Pferd. Nach einer kurzen Kennenlernrunde zwischen Mensch und Tier auf dem Reitplatz, kann es dann endlich losgehen.

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Gemütlich reiten wir aus Vik hinaus, ins offene Gelände. M. und ich unterhalten uns angeregt und es fühlt sich fast schon so an, wie ein allmorgendlicher Ausritt mit einer alten Freundin. Irgendwann ist es dann soweit: Auf mein Kommando hin verfällt Atlas in einen schnellen Tölt (besondere Gangart der Isländer) und ich bin begeistert. Es fühlt sich so an als säße ich auf einer bequemen Couch, während ein Film mit atemberaubender Kulisse im Fernsehen läuft.

Atlas hat auch sichtlich Spaß und ist kaum zu bremsen. M. schlägt dann noch vor ein Stück am Strand zu galoppieren und ich stimme glücklich zu. Auf dem Weg zum Black Beach durchqueren wir einen Fluss und ich fühle mich ganz kurz wie in einer anderen Zeit. Das meine Füße dabei halb im Wasser sind, stört mich nicht.  Isländer sind eben nicht die größten Pferde. Am Strand angekommen, nutzen wir dann das schöne Wetter und die bezaubernde Umgebung für eine kleine Fotosession. Schließlich müssen solche schönen Momente doch festgehalten werden.

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Anschließend galoppieren wir ein ganzes Stück auf dem schwarzen Sand entlang zurück zum Hof. In Gedanken setze ich auf meiner imaginären Wunschliste einen Haken hinter „Irgendwann einmal Strand entlang galoppieren“. Das anschließende Bad im Staub haben  sich Atlas und Thor wirklich verdient. Mit einem Apfel und einer ausgedehnten Streicheleinheit verabschiede ich mich dann von den beiden. Bei M. bedanke ich mich glücklich über diesen schönen Vormittag. Mein Geld möchte sie nicht.“Für mich war das heute ein schöner Ausritt, wie mit einer alten Freundin“, sagt sie und zwinkert mir zu. Solche Momente sind doch einfach am schönsten.

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Voller Energie setze ich mich ins Auto und beschließe, dass mein Ausflug heute noch nicht zu Ende ist. Ich mache mich daher auf dem Weg zum Zungenbrecher Hügel Hjörleifshöfdi, den Jana mir vor ein paar Tagen empfohlen hatte. Nach einer fünfminütigen Fahrt weiter nach Osten und einem kurzem Weg durch schwarze Sandwüste, bin ich am Ziel. Bevor ich mich daran mache den Hügel zu erklimmen, lese ich neugierig die Informationstafeln.  Schnell wird mir klar, dass diese auf den ersten Blick eher unscheinbare Erhöhung, nur so vor Geschichte  strotzt.

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Den Erzählungen nach,  finden die Wikinger Hjörleifur Hróðmarsson und Ingólfur Arnarson im Jahr 874 gemeinsam ihren Weg nach Island. Jedoch werden die beiden Blutsbrüder bei einem Sturm getrennt und Hjörleifur überwintert mit seinen Männern und Frauen auf dem später nach ihm benannten Hügel Hjörleifshöfdi. Im Frühling, des darauf folgenden Jahres, ermorden Hjröleifurs irische Sklaven ihn und seine Männer, entführen die Frauen und lassen sich auf der heute als Westman Island (Vestmannaeyjar) bekannten Inselgruppe, an der Südküste Islands nieder.

Nur wenig später besiedeln die ersten Wikinger Hjörleifshöfdi und dessen Umgebung. Erst  im Jahr 1936 zieht es dann auch die letzten Bewohner an andere Orte Islands. Die Gegend rund um die Erhebung wird zur Wüste.

Auf meinem Weg zur Spitze des Hügels finde ich die Überreste einer alten Farm, die einst Markus Loftsson (einem  selbsternannten Wissenschaftler und Autor des Buches „Treatise on volcanic activity in Iceland“, der dort von 1828 bis 1906 lebte) und seiner Familie gehörte.

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Die Aussicht auf meinem weiteren Weg nach oben ist wirklich gigantisch!

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Nach etwa 15 Minuten bin ich am Ziel. Vor mir sehe ich die Gräber von Hjörleifur Hróðmarsson, sowie Markus und seiner Familie. 

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Einen kurzen Moment genieße ich die Aussicht und die Sonne, die die Umgebung noch magischer Wirken lässt. Leider ist es hier oben wirklich äußert windig und so mach ich mich nach einer Weile wieder auf in angenehmere Gefilde.

Auf dem Weg zum Auto stelle ich fest, dass dieser Ort mich wirklich beeindruckt. An Plätzen wie diesen, fühlt sich  Geschichte zum Greifen nah an. Das gilt aus meiner Sicht übrigens für sehr viele Orte in Island. Neulich hab  ich nur kurz aus dem Küchenfenster des Hotels auf das Meer geblickt und wäre keineswegs überrascht gewesen, wenn plötzlich Wikinger mit ihren Booten am Strand angelegt hätten.

Euphorisiert hole ich Jana von der Arbeit ab. Abends pflanzen wir uns dann noch mit einem Bier aufs Sofa und schauen eine Folge Vikings (was auch sonst:)). Die wussten das damals übrigens auch schon…das mit dem Glück und den Pferden und so…

Achja…Ingólfur Arnarson, der den Sturm überlebte und den Winter an einem anderen Ort in Island verbrachte, erfuhr vom Schicksal seines Blutsbruders Hjörleifur Hróðmarsson und machte sich zusammen mit seinen Männern auf den Weg zu den Westman Island, um seinen Bruder zu rächen. Den Erzählungen nach überfielen sie, die sich in Sicherheit wähnenden Männer während eines Festes und ermordeten sie alle…Ingólfur ließ sich in Island nieder und mit ihm begann die Landnahme der Insel, der Rest ist Geschichte!

 

2 Gedanken zu „Ein magischer Montag…(10.04.16)“

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