Ein Garten mit Vulkanausblick (04.07.16)

Meine Wandertour von Þórsmörk nach Skogar

Nur die Harten wandern durch den Garten von Thor dem Wikinger-Gott. Jetzt werdet ihr euch fragen, was denn die Mutigen in seinen Garten lockt. Dieses Land, gewiss von Götterhand geschaffen, verzaubert alle, die den Blick nur einmal schweifen lassen. Ohne Blumen, ist das der schönste Garten, den ich jemals sah. Zwischen bunten Bergen, blauen Gletschern und klaren Flüssen, war ich dem Himmel so nah.

Aufgeregt und voller Vorfreude, warten Jana und ich an diesem sonnigen Morgen auf Jóhann und seinen Monster Truck. Verabredeter Treffpunkt ist der Wasserfall Skógafoss. Unser eigenes Auto lassen wir auf dem Parkplatz stehen, da die achstündige Wanderung ab Þórsmörk uns schlussendlich genau hier hin führen wird. Um kurz nach 08:00 Uhr geht es dann endlich los.

Etwas über eine Stunde dauert die Fahrt, am Seljalandsfoss vorbei, hinein in den Garten des Wikinger-Gottes Thor (Þórsmörk zu dt. „Wald des Thor“). Nach einer etwas längeren Fahrt über eine ziemlich unebene Schotterstraße und durch zahlreiche flache und tiefere Flüsse, sind wir an unserem Ausgangspunkt Básar angekommen. 

Bevor es losgeht, erklärt Jóhann uns noch den Weg auf der Karte und fragt uns zum Abschied, ob wir denn auch Sonnencreme dabei haben. „Brauch ich nicht“, antworte ich. Ein Fehler wie ich sehr bald merke, als mir die Sonne im Gesicht brennt. Jana und ich sehen noch, wie der schwarze Truck ganz allmählich in der Ferne verschwindet. Dann sind wir alleine im Götter-Garten, vor uns 26 Kilometer pures Abenteuer.

Schon nach sehr kurzer Zeit fallen mir für das was ich sehe, keine Superlative mehr ein.  Wir haben mittlerweile den Berg Hvannadalshnukur erklommen und genießen den Ausblick auf die bunten Berge in der Ferne und den blauen Gletscher, unter dem der Eyjafjallajökull  friedlich schlummert.

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Nach einer kleinen Stärkung geht es einige Zeit, die sich wie Stunden anfühlt, weiter steil bergauf. Der Pfad ist schmal, links von mir schlängelt sich eine Kette zum festhalten den Berg hinauf, rechts von mir der steile Abhang. Ich sagte ja: Abenteuer!

Als Jana und ich beide heil oben ankommen, liegt plötzlich eine ganz andere Landschaft vor uns. Man könnte meinen, wir wäre aus versehen auf einem anderen Planeten gelandet. Mit Thors Garten im Rücken (ich muss mich einfach immer wieder umdrehen, um den Blick über die bergige Weite zu genießen) bahnen wir uns unseren Weg durch den Schnee, der unser Weg über die Asche des Eyjfjallakökulls ist.

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Unermüdlich wandern wir weiter, wobei sowohl Asche als auch Schnee den Pfad ebnen und mir abwechseln heiß und kalt wird. Nach etwas über vier Stunden taucht vor uns dann eine kleine Hütte auf. Der ideale PLatz für eine Verschnaufpause, finden wir und machen es uns auf der Terrasse gemütlich. Als wir erfahren, dass wir nun die Hälfte unseres Weges geschafft haben, überlegen wir kurz die Übernachtungsmöglichkeit im Häuschen zu beanspruchen. Aber beim Fußball gibt man ja auch nicht in der Halbzeitpause auf, also machen wir uns nach einer Weile wieder auf die Wanderschuhe.

Und ein weiteres Mal verändert sich die Landschaft ganz pötzlich. Wir gehen vorbei an steinigen, moosbewachsenen Grünflächen, auf denen vereinzelt rosa und weiße Blümchen blühen und gelangen schließlich an den Fluss, von dem wir wissen, dass er in einigen Kilometern in Skógar über die Klippen schießt.

Während wir am Wasser entlanglaufen, entdecken wir einen Wasserfall nach dem anderen und ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

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Nach etwas weniger als acht Stunden taucht dann der Skógafoss vor uns auf. Mit etwas müden Beinen aber wunschlos glücklich schleppen wir uns die vielen Stufen nach unten, am Wasserfall entlang, hinab zum Parkplatz. Ab ins Auto. Erstmal sitzen.

Der Grund warum ich wandern liebe ist, dass ich am Ende des Tages weiß was ich geschafft habe. Ein tolles Gefühl. Wenn die Wanderung dann auch noch von so einer vielfältigen und außergewöhnlichen Natur begleitet ist, sind die schmerzenden Beine und das leicht verbrannte Gesicht schnell vergessen. Und überhaupt: Indianer… äh ich mein natürlich Wikingerherz kennt keinen Schmerz!

 

6 Gedanken zu „Ein Garten mit Vulkanausblick (04.07.16)“

    1. Ich bin von Landmannalaugar bis nach Þórsmörk gewandert, in Þórsmörk hatten wir einen Tag Aufenthalt bevor es nach Skógar gehen sollte… und an diesem Tag habe ich mir bei einem Tagesausflug das Knie vertreten, dass zwei Tage lang gar nichts mehr ging…. und 30km wandern nur mit einer Schmerztablette? Dass war mir dann selbst zu riskant.

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