Der Tag der Ankunft (07.03.2016)

Oder auch: Vom Winde verweht, Teil 2

Und schon wieder sitze ich in einem Bus. Es ist früher Nachtmittag und ich bin abfahrbereit. Diesmal geht es von Reykjavik nach Südisland. Etwa 10 km vor dem kleinen Dorf Vík í Mýrdal, liegt das Hotel in dem ich die nächsten Monate arbeiten werde. Den Busfahrer bitte ich beim Einsteigen, mich direkt am Hotel herauszulassen, in Island ist das in der Regel kein Problem…Das Ausnahmen aber bekanntlich die Regel bestätigen, dazu komme ich später noch.

Draußen tobt ein Schneesturm. Die Landschaft ist in weiße Watte getaucht und ich sehe erstmal nichts, wenn ich aus dem Fenster schaue. Der Bus holpert und poltert über die gefrorene Straße und der Wind ist nervtötend laut. Der Typ vor mir riecht nach Gras.

Mir geht es gut. Voller Vorfreude darauf, endlich meine Gastfamilie und meine neue Arbeitsstätte kennenzulernen, ist meine Laune bestens.

BLOG.jpgWeiß, weiß, weiß ist alles was ich sehe… 🙂

Damit, das sich diese Tatsache so schnell ändern kann, wie das Wetter in Island, rechne ich nicht. Mitten im nirgendwo muss ich dann erstmal den Bus wechseln. Dem Busfahrer sage ich die gleiche Adresse wie seinem Vorgänger. Doch diesmal habe ich weniger Glück. Der Fahrer schüttelt den Kopf und grummelt etwas mir unverständliches. Als wir an der nächsten Station halten, versuche ich es erneut, doch die Reaktion bleibt dieselbe.

Leicht verzweifelt, sehe ich kurze Zeit später, wie das Hotel an mir vorbeirauscht. Ein Isländer, der meine Misere mitbekommt, spricht mit dem Busfahrer. Natürlich verstehe ich nichts, aber ehe ich mich versehe, hält der Bus und ich werde aufgefordert auszusteigen. Öhm ja…wohl Zeit zu gehen.

Da steh ich nun, am Straßenrand, eine gefühlte Ewigkeit von meinem Ziel entfernt. Es hagelt und der Wind tobt. Ich versuche das Hotel telefonisch zu erreichen. Beim dritten Versuch nimmt Margret, meine Gastmutter, endlich den Hörer ab. Ich schildere ihr meine Situation und fünf Minuten später steige ich erleichtert in Ihr Auto. Das erste Aufeinandertreffen habe ich mir irgendwie anders vorgestellt. Halb erfroren und komplett durchnässt, muss ich wie ein Häufchen Elend wirken.

Nach einem Tee und einem netten gemeinsames Essen mit meinen Gasteltern, geht es mir dann aber deutlich besser. Wider erwarten fühle ich mich ziemlich schnell gar nicht mehr so fremd.

Da „meine“ Wohnung auf der Farm, erst am nächsten Tag einzugsbereit ist, finde ich Platz in einer kleinen Abstellkammer im Hotel. Das macht den Tag nicht besser… aber auch nicht schlechter.

Am Abend stelle ich dann noch fest, dass der gesamte Inhalt meines Koffer, zusammen mit mir getauft wurde. „Aber  hey wenigsten bin ich am Ziel“, denke ich und falle erschöpft ins Bett.

Der Wind hat mich am Ende also doch noch in die richtige Richtung geweht.

Der Tag der Anreise (06.03.16)

Oder auch: Wie ich die Erleuchtung fand…

Und da sitze ich, abfahrbereit in dem Bus, der mich von Hamburg nach Berlin-Schönefeld bringen soll. Meine Liebsten winken zum Abschied und so langsam bahnt sich die Aufregung ihren Weg in meine Magengegend. Die Vorfreude, die ich ebenfalls verspüre, als die Räder des Busses zu rollen beginnen, trübt dies jedoch nicht. Die Fahrt, die ich hauptsächlich schreibend am Handy verbringe, vergeht wie im Flug … obwohl der mir ja eigentlich erst noch bevorsteht. Zugegeben, das Fliegen gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, aber was sein muss, das muss ja bekanntlich sein. Am Berliner Flughafen angekommen, habe ich dann auch eine noch gefühlte Ewigkeit, mich auf die Himmelsfahrt vorzubereiten.

Als es draußen dunkel wird, ist es dann endlich so weit, das Flugzeug hebt ab und ja, ich sitze noch auf meinem Platz.

12778854_1695798057354914_5499437060781665256_o.jpg

Damit, dass die Anreise nach Island letztendlich noch eine angenehme Überraschung für mich parat hält, rechne ich nicht. Ungefähr eine Stunde, bevor wir in Reykjavik landen, mitten über dem Atlantischen Ozean, sind sie auf einmal da:

die Nordlichter. Oder auch Aurora Borealis.

Eine halbe Stunde lang, starre ich wie gebannt aus dem Fenster. Die Crew ist so nett und schaltet das Licht an Bord aus. Meine Handy-Kamera ist natürlich nicht in der Lage, dieses Spekatkel aufzufangen. Für alle, die sich jetzt aber fragen, wie das Ganze vom Flugzeug aus aussieht, habe ich hier etwas auf Facebook gefunden: Donald Body Photography

Vollkommen angstlos und glücklich, lande ich wenig später in Keflavik. Nachdem ich ungeduldig auf mein Gepäck gewartet habe, setze ich meine Reise, zu dem kleinen Gästehaus, in dem ich die erste Nacht verbringen werde, fort.

Die Organisation am Flughafen in Keflavik  ist wirklich gut. Das Ticket, um in das Zentrum von Reykavik zu kommen, ist schnell gekauft und einer der vielen, vielen Busse von Reykjavik Excursions, ist bereits startklar. Es ist doch wirklich entspannt, wenn der Bus einen direkt zur Unterkunft bringt.

Als ich ankomme ist es schon ziemlich spät. Ich bin müde, aber sehr zufrieden, nach einem langen Tag, zumindest schonmal isländischen Boden unter den Füßen zu haben. Voller Vorfreude auf den nächsten Tag, schlafe ich dann auch ziemlich schnell ein.

Noch ein kleiner Tipp: Die Abend-/Nachtflüge nach Island sind deutlich günstiger im Vergleich zu denen, die tagsüber starten. Wer sich dafuer entscheidet nachts zu fliegen, sollte mit einer Ankunfstzeit nach Mitternacht, an der jeweiligen Unterkunft rechnen. Es schadet auch nicht, die jeweilige Unterkunft über die späte Anreise zu infomieren. Sicher ist sicher. Alles in allem ist eine nächtliche Anreise, aber überhaupt kein Problem. Und in den Wintermonaten eine super Chance, die Nordlichter vom Flugzeug aus zu sehen!

 

Reisevorbereitungen

Am Anfang meines Island-Abenteuers stand natürlich die Planung. Das Ziel vor Augen, begann ich im Oktober 2015 mit den Vorbereitungen. Ich informierte mich im Netz über die Möglichkeiten eines Work&Travel-Aufenthalts in Island. Ich entschied mich letztendlich dafür, es mit der Organisation Stepin (für mehr Infos, hier der Link: www.stepin.de) zu versuchen. Nach unzähligen Formalitäten, die es zu klären galt und einem Interview auf Englisch, erhielt ich Anfang Februar das Angebot nach Südisland zu reisen, in einem kleinen Familienhotel zu arbeiten und auf einer Farm mit Hühnern, Schafen, Kühen, Katzen und Hunden, zu leben. Die Vorstellung gefiel mir, obgleich ich insgeheim gehofft hatte auf einer Pferdefarm leben und arbeiten zu können. Da solche Farmen in Island aber zumeist nur unbezahlte Praktika anbieten, schied diese Option für mich aus. Für das Ende meines Aufenthalts hatte ich nämlich schon eine Rundreise durch Island geplant und Reisen ist in Island nun mal alles, aber nicht günstig. Ich nahm das Angebot daher an, zumal dieser Teil Islands sehr vielseitig und vielversprechend wirkte.

IMG_1040(puplished by Katla Geopark)

Ich hatte also meinen Platz auf der Insel gefunden. Aber was nimmt man mit, für ein halbes Jahr in der Natur mit unberechenbaren Wetter. Ich entschied mich für warme, windfeste und zweckmäßige Kleidung. Eine etwas schickere Garnitur kam dann auch noch mit. Schließlich heißt es in vielen Islandreiseführern, dass sich Reykjavik jede Freitagnacht in die Partyhochburg schlechthin verwandelt. Und das wollte ich mir doch mindestens einmal von Nahem ansehen.

Die Reisevorbereitungen waren damit fast abgeschlossen. Eines durfte aber nicht fehlen: Die Abschiedsparty. Auch wenn der Abend es mir nicht gerade leicht machte, all die lieben Menschen für längere Zeit zu verlassen, war es das definitiv wert.

Banner Abschied.jpg

Und damit war dann wirklich alles erledigt!

Noch ein kleiner Tipp: Eine Rundreise durch Island kann nicht früh genug geplant werden. Wer so wenig Geld ausgeben möchte wie möglich (aber vielleicht nicht gerade der Typ fürs Zelten ist), sollte mindesten ein halbes Jahr vorher damit beginnen. Es ist kaum zu glauben, aber beliebte und günstige Unterkünfte sind oft schon lange Zeit im Voraus ausgebucht.

Achja, so ganz ohne Pferde konnte ich mir Island dann doch nicht vorstellen. Anfang August geht es daher nach Ostisland, wo ich eine Woche Ferien mit „eigenem“ Islandpferd verbringen werde.

Warum Island?

Warum Island Das war mit Abstand die häufigste Frage und erste Reaktion, wenn ich jemandem aus meinem Umfeld von dem Plan, für ein halbes Jahr Work&Travel nach Island zu reisen, erzählt habe. Warum nicht in die USA, oder nach Australien, kam dann meistens als Nachschub. Ich muss zugeben, oft war ich versucht es einfach bei einem Warum denn nicht? zu belassen. Leider ist diese Antwort nur wenig aussagekräftig und irgendwie hatte ich ja auch das Bedürfnis mich zu erklären.

Irgendwann möchte ich selbst einmal nach Australien, oder Amerika reisen, das leugne ich nicht. Für meine Work&Travel-Erfahrung zwischen Bachelor- und Masterstudium, hatte ich aber den Wunsch einfach mal etwas Anderes, nicht so populäres zu machen. Hinzukam mein Interesse an der so vielseitigen Natur, der Kultur, den Menschen und der Geschichte dieser Insel. Geweckt wurde dieses, vor ein paar Jahren, durch einen kurzen Fernsehbeitrag über die Landschaft Islands. Da ich zudem ein leidenschaftlicher Schreiberling, eine mäßig gute Hobby-Fotografin und ein Fan von Sagen, Mythen und Legenden (von denen Island mehr als genug hat) bin, hatte ich einfach das Gefühl, dass diese Insel mit ihrer Vielseitigkeit, Robustheit und ihrem Abenteuerpotenzial zu mir passt!

cropped-img_08891.jpg

Wer sich dann tatsächlich für diesen Flecken Erde entscheidet, sollte sich auf unberechenbares Wetter, Temperaturen die auch im Sommer nur sehr selten über 20 Grad steigen und eine gewisse Einöde einstellen. Im Gegenzug erwarten einen dafür aber eine atemberaubende Natur, freundliche Menschen und Abenteuer, egal wohin man geht. Eine Reise nach Island ist also keineswegs ein Auslandsaufenthalt der einer American Pie-Fete gleichkommt. Sie ist eher ein Selbstfindungstrip, der einen näher an den Ursprung des Lebens bringt. Mit diesem Bewusstsein und dem richtigem Work&Travel-Platz enstehen hier dennoch mindesten genauso viele unvergessliche Momente.

Letztendlich bin ich auch der Meinung, jeder sollte einfach dahin reisen, wo es ihn ganz persönlich hinzieht. Bei mir war es eben Island und mit der Entscheidung bin ich mehr als zufrieden! Also: Darum Island