Where are you from? (08.05.16)

Oder auch: Warum die Arbeit im Hotel großen Spaß macht…

Es ist doch ein einfach ein schönes Gefühl morgens die Arbeitsklamotten überzustreifen und sich auf die vor einem liegende 12-Stunden-Schicht zu freuen. Das ist kein Scherz – mir geht es wirklich so!

Der Grund dafür ist ganz einfach: Ich habe nichts auszusetzen an meinem Arbeitsplatz im Volcano Hotel. Meine Gasteltern Magret und Johann (die mittlerweile zu Joi und Magga geworden sind) tragen einen großen Teil dazu bei.

Foto folgt noch 🙂

Mit ihnen kann ich nett plaudern und finde immer Antworten und Lösungen auf alle Fragen und Probleme, die hier und da so auftauchen: Was kann ich als nächstes unternehmen? Kommt jemand mit mir zur Bank, ich verstehe nur Bahnhof?  Und was machen wir eigentlich wenn Katla ausbricht? (So das ganz Alltägliche eben)

Ein rauer Ton ist hier ein Fremdwort und der Name Familienhotel Programm. Für mich, die schon den ein oder anderen Horrorjob in der Gastronomie und im Einzelhandel hinter sich hat, ist das eine Wohltat. Bevor ich mit der Arbeit im Hotel anfing, war ich zugegebener Maßen eher skeptisch, ob ich Gefallen am Putzen, Kochen und Gäste umsorgen finde. Jetzt nach etwas mehr als drei Monaten kann ich sagen: Ja! Da kann man mal sehen,  wenn das Umfeld stimmt, der Spaß an der Sache ganz von alleine kommt.

Für mich ist das Highlight eines jeden Arbeitstages, der Kontakt mit den Gästen aus aller Welt. Es ist jeden Tag aufs Neue spannend zu sehen, wer letztendlich hinter den Namen in der Buchungsliste steckt und mehr über ihre Herkunft und ihr Leben zu erfahren. Was hatte ich nicht schon für interessante und nette Gespräche über das einzigartige Island, meine Lieblingsstadt Hamburg, die Situation für Landmaschinenvertriebe in Großbritannien, Angela Merkel und den Rest der Welt, den berühmten FC Bayern und den armen HSV, über die Kinder von Kindern und deren Kinder und na klar: Donald Trump.

Deshalb habe ich auch eine Liste mit den Städten, Staaten und Ländern angelegt, die hier im Laufe der Zeit so vertreten waren (diese werde ich dann später an andere Stelle auch auf meinem Blog veröffentlichen).

Die Visitenkarte von Susie und Thomas, mit der Bitte sie in Portland besuchen zu kommen, hängt an der Wand über meinem Schreibtisch und ich denke mir so: Warum nicht? 🙂

Der endgültige Anstoß gerade jetzt noch einmal über die Arbeit zu schreiben war aber der gestrige Abend. Die 17-Köpfige-Familie, die aus Kanada, Australien und den U.S.A in unserem Hotel zusammengekommen war, bescherte mir einen schönen Abend.

Während Magga das Abendessen für die Familie gekocht hat, habe ich alle mit Getränken versorgt und mich mit dem ein oder anderen länger unterhalten. Na gut, Getränke verteilen  war eigentlich meine Hauptaufgabe an diesem Abend. Später am Abend versuchte mein neuer Freund aus Texas mich dann davon zu überzeugen, doch bei ihm und seinen Verwandten zu sitzen und mitzutrinken, während er sein zehntes Bier leerte, was mir echt gute Laune machte. Ich habe es dann beim Sitzen belassen.

Da ich eine wirklich gute Zeit hatte, störte es mich auch nicht länger auf der Arbeit zu bleiben. Erst als alle allmählich auf ihren Zimmern verschwunden waren, machte ich mich mit dem guten Gefühl eine Arbeit zu haben die Spaß macht, auf den Heimweg.

Auch wenn mir dann an Abenden wie diesen, schon einmal die Beine schmerzen und die Augen vor Erschöpfung zufallen, freue ich mich jedes Mal schon auf den nächsten Tag und all die neuen Leute die ich treffen werde.

Vom Lande in die Stadt (15.04-17.04)

Mein Wochenende in Reykjavik…

Voller Vorfreude und immer noch glücklich über den Anblick der Nordlichter am Abend zuvor, packe ich an diesem Freitagvormittag meinen Rucksack für ein freies Wochenende in Reykjavik.

Kurz vor 16:00 Uhr bringt Jana mich zur Tankstelle in Vík und nur wenig später geht es im Bus Richtung Stadt. Während ich auf meinem Handy das Hörspiel zu Game of Thrones laufen lasse, schaue ich für die nächsten zweieinhalb Stunden gebannt aus dem Fenster. Die Sonne strahlt von einem wolkenlos blauen Himmel hinab und die Landschaft ist wirklich faszinierend. Da der Schnee auf meiner Hinfahrt nach Vík im März noch alles bedeckte und durch den Schneesturm nicht mal Umrisse der Landschaft zu erkennen waren, bin ich nun umso erstaunter über die Schönheit und Vielfältigkeit, die sich mir beim Blick aus dem Fenster bietet.

Zu meiner linken Seite liegen Feldern, Farmen, schwarze Lavawüste und das Meer. Auf der anderen Seite, ist die Landschaft das genaue Gegenteil. Berge, Gletscher, Felsen, Flüsse und Wasserfälle ziehen an mir vorbei. Die Sonne verleiht dem Ganzen eine leuchtende Intensität.

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Die Fahrt vergeht so ziemlich schnell und gegen 20:00 Uhr komme ich im Zimmer des Hostels an, dass ich für meine Tage in Reykjavik gebucht habe. Gespannt betrete ich das Zimmer und stelle amüsiert fest, dass hier schon eine kleine Party am laufen ist. Da ich ein Bett in einem gemischten 12er Schlafsaal gebucht habe, lerne ich dann gleich darauf erst einmal Vicky aus Schottland, Patrick und Toni aus den Staaten und Marnell und Megan aus Holland kennen.

Nach zwei Stunden, in denen wir uns gegenseitig übereinander ausgefragt haben, machen wir uns auf Patricks Wunsch hin, auf den Weg in die Queer-Bar Kiki,  die im Herzen von Reykjavík liegt.

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Schnell merke ich, dass alles was ich bisher über die Partyszene freitagnachts in Reykjavik gelesen habe, stimmt. Unzählige junge Leute sind auf den Straßen, die Frauen präsentieren sich von ihrer besten Seite und jeder redet irgendwie mit jedem. Die Stimmung in der Stadt ist super und bleibt es auch, als wir die Bar betreten.

Zufrieden stelle ich fest, dass mir die Musik gefällt und das Bier schmeckt. Unser kleines Grüppchen unterhält sich angeregt über Gott und die Welt und wir tanzen sogar einige Male. Die Besucher der Bar sind so bunt gemischt wie die Hausfassade des Kikis und das ist super so. Mit so einem Verlauf des Abends hatte ich auf meiner Fahrt nach Reykjavik nicht gerechnet. Meistens sind spontane Unternehmungen doch immer die besten.

Irgendwann sind wir Mädels müde und überlassen das Party machen den Jungs. Im Hostel angekommen erklimme ich dann mein Hochbett und mache erschöpft aber bestens gelaunt  die Augen zu. Erstaunlicherweise schlafe ich trotz meiner vielen Zimmergenossen wunderbar und werde nur einmal ganz kurz wach, als Patrick und Toni um sechs Uhr in der Früh dann auch mal ihren Weg ins Bett finden.

Noch etwas müde, begebe ich mich dann einige Zeit später zu dem Treffpunkt, von dem aus die von mir gebuchte Free Walking Tour durch Reykjavik starten soll. Sammelpunkt ist das Parlamentshaus im Zentrum und ich muss etwas schmunzeln als dieses, nur etwas grösser als ein Einfamilienhaus, vor mir auftaucht. In Island ist halt alles ein bisschen kleiner. Ich finde das erfrischend, schließlich muss es nicht immer gleich ein ganzer Palast sein.

Obwohl es leicht regnet und heute auch ziemlich kalt ist, ist die Tour wirklich spitze und hochinteressant. Marteinn unsere Guide ist witzig und es macht Spass im zuzuhören, auch wenn oder gerade weil sich der Rundgang hauptsächlich mit der Geschichte Reykjavik’s befasst. Als wir während der Tour vor einer Statue stehen, die noch den Lippenstift von der letzten Pride Parade trägt, müssen alle lachen. Dass dieser bisher nicht entfernt wurde finde ich einfach nur klasse und überaus sympathisch.

Nach zwei Stunden kommen wir zu unserem Ausgangspunkt zurück. Da die Tour ausschließlich von den Spenden der Teilnehmer lebt, wirft am Ende jeder so viel wie er mag, in Marteinns Rucksack. Ich bedanke mich bei ihm für die tolle Führung und mache mich dann auf den Weg zum isländische Nationalmuseum.

Ganze vier Stunden befasse ich mich mit der spannenden Geschichte Islands und lasse mir am Computer die Vergangenheit dieser noch relativ jungen Insel erklären. Für 10 Euro Eintritt lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall, vorausgesetzt man hat genug Zeit und Interesse an der Historie Islands mitgebracht.

Als ich das Museum verlasse, hat sich das Wetter zwar nicht gebessert, meine Laune ist aber dennoch bestens. Auf dem Rückweg ins Hostel, sehe ich mir dann noch die Kirche Hallgrímskirkja an (bei meinem nächsten Besuch möchte ich auf jeden Fall die Aussicht von der Spitze der Kirche genießen), laufe anschließend am Wasser und dann ein wenig die Shoppingstraße Laugavegur entlang, wo ich mir anschließend in einem kleinen Bistro eine Nudelsuppe gönne.

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Besonders auffallend auf meinem kleinen Erkundungsspaziergang, sind die vielen bunten Graffitis und Malereien an allen Ecken und Enden. Das verleiht der kleinen Stadt einen wirklich coolen Touch.

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Als ich auf dem Weg zurück ins Hostel den Chuck Norris-Grill entdecke, setzte ich diesen auf meine imaginäre Liste, für die Dinge, die ich während meiner nächsten Besuche in Reykjavik noch machen möchte.

Zurück im Zimmer, plaudere ich noch eine ganze Weile mit Vicky und den anderen Reisenden aus unserem Zimmer. Patrick und Toni sind schon abgereist, aber zum Glück gibt es ja Facebook und Co. um in Kontakt zu bleiben. Irgendwann bin ich dann echt müde und lege mich schlafen.

Am nächsten Morgen geht es dann schon wieder zurück nach Vik. Erleichtert, dass alles so gut geklappt hat mit den Busverbindungen, döse ich während der Fahrt so vor mich hin und lausche wieder dem Kampf um den Thron…

Mein Fazit: Ich finde Reykjavik besitzt viel Charme, ist bunt, fröhlich und einen Besuch definitiv wert. Den Flair einer Großstadt sucht man hier natürlich vergeblich, aber das macht am Ende für mich den ganz persönlichen Reiz aus. Wer in seinem Urlaub auch feiern gehen möchte, ist hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Das Hostel war für den Preis von 20 Euro pro Nachtverhältnismäßig günstig und so ein 12er-Zimmer geht für ein Wochenende schon in Ordnung. Vor allem wenn man alleine reist, trifft man hier doch sehr viele nette Leute. Im Juni werde ich zusammen mit meiner Mum noch einmal die Stadt unsicher machen. Darauf freue ich mich schon. Fortsetzung folgt also!

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Abschließend sei aber noch gesagt, dass mir mein Platz an der Südküste, mitten in der Natur doch besser gefällt, denn das ist zum einen auf jeden Fall mehr Island und zum anderen habe ich  Stadt auch Zuhause in Hamburg 🙂

P.S. Für diejenigen unter euch, die einen Trip nach Reykjavik planen sind hier noch ein paar nützliche Links ->  Free Walking Tour: http://citywalk.is/ Hostel: http://hlemmursquare.com/hostel/ Busfahrpläne: http://www.straeto.is/ Isländisches Nationalmuseum: http://www.thjodminjasafn.is/

Aller Anfang ist … gut! (09.03.2016)

Mein erster Arbeitstag…

Voller Vorfreude und Aufregung beginnt um 7:00 Uhr in der Früh mein erster Arbeitstag. Draußen begrüßt die Nacht gerade den Tag. Der Schnee, der noch vor zwei Tagen die Landschaft unter seiner Decke verborgen hielt, ist zu großen Teilen geschmolzen.  Gespannt stelle ich das Auto auf dem Parkplatz ab und betrete das Hotel.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich würde die Zeit der Einarbeitung und die ersten Tage in einem neuen Job am liebsten immer überspringen. Da dieses aber natürlich unmöglich ist, beschließe ich alles ganz gelassen anzugehen und den Tag auf mich zukommen zu lassen.

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Zusammen mit Jana, meiner Kollegin und Mitbewohnerin aus Tschechien, mache ich als erstes Frühstück für die Gäste. Das wir dabei gleich von all den Leckereien mitnaschen dürfen, macht die frühe Uhrzeit für mich gleich etwas erträglicher. Auch sonst entpuppt sich diese erste Aufgabe weniger als  Arbeit und mehr als ein Vergnügen. Die lockeren Plaudereien mit den Gästen und die erfreuten Gesichter, wenn diese das Buffet entdecken, machen mir gute Laune. Als es hell wird liegt eine noch heufarbene, hügelige Landschaft vor dem Hotel. Von der Küche aus habe ich einen herrlichen Blick aufs Meer und kann die die Wellen sehen, die am schwarzen Strand brechen und zurück ins Meer fließen.

Nachdem alle Gäste für ihren Start in den Tag versorgt sind, werden wir in die Kunst des Zimmer putzens eingewiesen. Nun ist es ja nicht so, dass ich das erste Mal im Leben putze, nur habe ich es noch nie so strukturiert und schnell getan. Zunächst finde ich es etwas seltsam, dass ich auch hierbei Spaß empfinde. Es tut gut mal wieder mit den Händen zu arbeiten. Durch mein Studium und die Arbeit in Hamburg, war in den letzten Jahren ja hauptsächlich mein Kopf gefordert.

Das Hotel ist ein Familienbetrieb mit sieben Zimmern. Klingt erst einmal wenig. Wenn man diese aber alle gleichzeitig für die nächsten Gäste herrichten muss, relativiert sich dieser Gedanke ziemlich schnell. Es ist Nachmittag, als Jana und ich fertig sind. Zeit zum Essen. Erfreut darüber alles aus der Küche benutzten zu dürfen zaubere ich mir mein erstes, eigenes Mahl in Island. Margrét, meine Chefin und Gastmama, entlässt uns danach fürs Erste, da sie uns an unserem ersten Tag nicht überfordern möchte…

…Puhh…ganz schön viele erste Dinge, wenn man das hier so liest. Aber wie sich zeigt, ist das manchmal gar nicht so übel. Schnell habe ich gemerkt, dass „Familienbetrieb“ hier wirklich großgeschrieben wird. Schon am ersten Arbeitstag fühlte ich mich gut aufgehoben und auch die Arbeitsbedingungen und das Umfeld übertreffen meine Erwartungen. Zufrieden darüber diesen Platz für mich in Island gewählt zu haben, freue ich mich am Abend auf den nächsten Tag.

Aller Anfang kann also auch wirklich gut sein!